Automatisierung in der Logistik wird nicht als reine Technikfrage behandelt. Im Mittelpunkt steht die Verbindung von strategischer Logik, Auftragsstrukturen, Materialflüssen, Bestandsführung, Rückkopplung, Standards und operativer Ausführung. Die bisher stark ausgebaute Kommissionierung wird zurückgenommen und stärker in einen größeren Gesamtzusammenhang eingeordnet.
Ziel: Die Studierenden verstehen die Automatisierung der Logistik als integriertes System aus Strategie, Planung, Standardisierung, Steuerung, Bestandsführung und physischer Ausführung über die gesamte Supply Chain hinweg. Sie sind in der Lage, den in Einheit 1 beschriebenen verbreiteten Automatisierungsbegriff dem integrierten Systemverständnis gegenüberzustellen — und diesen Unterschied schriftlich auf Englisch zu artikulieren.
Gesamtlogik des Kurses
| Einheit | Thema |
|---|---|
| 1 | Grundverständnis Automatisierung |
| 2 | Metastrategien |
| 3 | Paradigmen, Begriffe, Referenzmodelle |
| 4 | Aufträge, Produktionslogistik, PPS |
| 5 | Materialbedarf, Stücklisten, Planungsansätze |
| 6 | Steuerungslogiken |
| 7 | Bestandsfindung und Nachschub |
| 8 | Kommissionierung im Systemzusammenhang |
| 9 | Standards und Schnittstellen |
| 10 | Kennzahlen und Organisationsformen |
| 11 | Integration über die gesamte Supply Chain |
Rahmen
- 11 Einheiten
- Prüfungsform: Essay auf Englisch, ca. 3.000 Wörter. Die Studierenden beschreiben, was unter Automatisierung in der Logistik üblicherweise verstanden wird, welches Verständnis dieser Kurs dagegen setzt, und was ihre persönlichen Takeaways sind. Bewertet wird die inhaltliche Reflexionsleistung; sprachliche Qualität wird erwartet und ist beurteilungsrelevant. Die Studierenden müssen das Ergebnis passiv verstehen und inhaltlich verantworten können.
- Hinweis: Es existiert ein eigenständiger Kurs zum Schreiben mit Sprachmodellen, den einige Studierende bereits besucht haben. Dieser Kurs ist keine Voraussetzung, aber der Essay kann ein Anreiz sein, ihn parallel zu belegen.
Einheit 1: Einführung: Automatisierung in der Logistik als Logik, nicht nur als Technik
Inhalte:
- Verbreitete Verkürzung: Automatisierung wird schnell mit Maschinen, Fördertechnik, Robotik und fahrerlosen Systemen gleichgesetzt
- Gegenposition: Vor jeder technischen Ausführung steht ein sinnvoller Befehl
- Automatisierung beginnt deshalb vor der Maschine
- Zusammenhang von Auftrag, Entscheidung, Informationsverarbeitung und physischer Ausführung
- Einordnung der Vorlesungsperspektive
Ziel: Die Studierenden verstehen, dass Automatisierung in der Logistik nicht erst auf der Feldebene beginnt, sondern auf der Ebene der Auftrags- und Entscheidungslogik. Sie können die verbreitete Verkürzung des Automatisierungsbegriffs benennen und von der Kursperspektive abgrenzen — das ist zugleich der Ausgangspunkt der Prüfungsreflexion.
Einheit 2 Metastrategien logistischer Automatisierung
Inhalte:
- Konsequenz: Strategien müssen konsequent durchgeführt werden
- Einheit: Strategien müssen innerhalb eines Systems auf gleicher Gestaltungshöhe liegen
- Situation: Strategien dürfen nicht von idealisierten Bedingungen ausgehen, sondern müssen reale Bedingungen berücksichtigen
- Zeit: Strategien brauchen den richtigen Zeitpunkt und ausreichend Wirkzeit
- Übertragung auf Logistikautomatisierung
- Durchgängiges Ankerbeispiel: Ein konkreter Automatisierungsfall — z. B. die Einführung eines vollautomatischen Kleinteilelagers — an dem alle vier Metastrategien (Konsequenz, Einheit, Situation, Zeit) durchgespielt werden. Dieses Beispiel wird in späteren Einheiten wieder aufgegriffen.
Ziel: Die Studierenden verstehen Automatisierung als strategisch eingebettete Gestaltung, nicht als isolierte Technikmaßnahme.
Einheit 3: Paradigmen, Begriffe und Referenzmodelle
Inhalte:
- Die Logik des Misslingens
- Komplexitätsreduktion und Transparenz
- Nutzen von Konzepten für das Denken
- Risiken der Begriffsbildung: Komplexitätsreduktion durch Horizontverengung
- Begriffe und Konzepte wie ECR, CPFR, CRP, CM, QR
- Referenzmodelle als gemeinsame Sprache
- Was ist ein Referenzmodell?
- Beispiel SCOR
- Strategischer Nutzen gemeinsamer Begriffe und Modelle
Ziel: Die Studierenden verstehen, dass Modelle, Begriffe und Referenzrahmen notwendig sind, um komplexe logistische Systeme überhaupt beschreibbar und gestaltbar zu machen.
Einheit 4 Aufträge als Ausgangspunkt: Produktionslogistik und PPS
Inhalte:
- Aufträge müssen erfüllt werden
- Produktionsauftrag als Beispiel
- Zusammenhang zwischen Auftragsmanagement und Materialmanagement
- Produktionsplanung und -steuerung als notwendige Grundlage
- PPS-Systeme als eigener Systembereich — kein Systemvertiefung, aber funktionales Grundverständnis
- Leitfrage: Was macht ein Produktionsplanungssystem und was hat das mit Logistik zu tun?
- Wie laufen Aufträge durch das Unternehmen?
Ziel: Die Studierenden verstehen die Rolle von Aufträgen und PPS als Ausgangspunkt logistischer Abläufe.
Einheit 5 Materialbedarf, Stücklistenauflösung und Planungsansätze
Inhalte:
- Ein Auftrag muss mit Material versorgt werden
- Frage nach dem benötigten Material
- Stücklistenauflösung als erster zentraler Schritt
- Welche Teile werden benötigt? In welcher Reihenfolge werden sie benötigt?
- Einbau- und Verwendungsreihenfolge
- Beispiele aus Rechnerfertigung und Automobil-Endmontage
- Kapazitätsorientierte Materialbewirtschaftung
- MRP I, MRP II, Synchro-MRP, OPT, BOA
- ERP-Erweiterungen für SCM und PPS
- APS
Ziel: Die Studierenden verstehen den Übergang vom Auftrag zum Materialbedarf und erkennen, dass unterschiedliche Planungsansätze unterschiedliche Steuerungswirkungen entfalten.
Einheit 6 Steuerungslogiken in der Logistik
Inhalte:
- Push- und Pullorientierung
- Push als planungsorientierter Ansatz
- Pull als verbrauchs- oder bedarfsorientierter Ansatz
- Bestandswirkungen und Steuerungskonsequenzen
- JIT und JIS
- Kanban
- OPP
- Strategische Unterschiede dieser Steuerungsformen
- Zusammenhang von Steuerungslogik und Automatisierungsarchitektur
Ziel: Die Studierenden verstehen die grundlegenden Steuerungsprinzipien logistischer Systeme und deren Auswirkungen auf Bestände, Planung und Automatisierung.
Einheit 7: Bestandsfindung, Nachschub und Lagerlogik
Inhalte:
- Material befindet sich nicht am Verbrauchsort, sondern zunächst im Lager
- Bestandsfindung als notwendiger Schritt
- Ermittlung von Lagerorten und Beständen
- Zusammenstellung von Kommissionieraufträgen
- Problem verteilter Bestände
- Speziallager und gesicherte Lagerbereiche
- Nachschublogik an Pick- oder Greifpositionen
- Automatische Auslösung von Nachschubaufträgen
- Abgrenzung Materialmanagement und Warehouse Management
- Ziel: für jeden Lagerplatz korrekte Bestandsinformation
Vorausgriff: Bestandsfindung setzt voraus, dass Objekte eindeutig identifizierbar sind. Welche Standards das ermöglichen — EAN, EPC, EDI — wird in Einheit 9 behandelt. Der Zusammenhang wird hier bereits sichtbar.
Ziel: Die Studierenden verstehen, wie Materialverfügbarkeit operativ hergestellt und systemisch abgesichert wird.
Einheit 8: Kommissionierung als Teilprozess der Automatisierung
Inhalte:
- Kommissionierung wird in den Gesamtzusammenhang eingeordnet und nicht isoliert behandelt
- Klassische Formen der Kommissionierung: Mann zur Ware, Ware zum Mann
- Cross-Docking als besondere Organisationsform
- Manuelle, automatische und gemischte Kommissioniersysteme
- Scanner und Rückmeldung an Systeme
- Buchung am Ende oder während der Entnahme
- Rückkopplung an Bestands- und Buchungssysteme
Ziel: Die Studierenden verstehen Kommissionierung als wichtigen, aber eingebetteten Teilprozess innerhalb einer größeren Automatisierungslogik.
Einheit 9: Standards, Identifikation und Schnittstellen
Rückbezug: In Einheit 7 wurde deutlich, dass Bestandsfindung und Nachschub auf korrekter Objektidentifikation beruhen. Diese Einheit klärt, was das systemisch voraussetzt — und warum ohne Standards keine skalierbare Automatisierung möglich ist.
Inhalte:
- Wozu dienen Standards?
- Standards als Voraussetzung systemübergreifender Automatisierung
- Identifikation von Objekten: EAN, EPC
- Protokolle und Schnittstellen: EDI
- Rolle standardisierter Kommunikation
- Bedeutung für durchgängige Informationsflüsse über Organisationsgrenzen hinweg
Ziel: Die Studierenden verstehen, dass Automatisierung nur dann skalierbar wird, wenn Identifikation, Kommunikation und Schnittstellen standardisiert sind.
Einheit 10: Messung, Kennzahlen und organisatorische Grundformen
Leitfrage der Einheit: Welche Organisationsform erzeugt welche Steuerungslogik — und was muss gemessen werden, damit das System beobachtbar bleibt?
Inhalte:
- Wie wird gesteuert? Was wird gemessen?
- Metriken, Kennzahlen, Fortschrittszahlen, KPI
- Zusammenhang von Steuerung und Messbarkeit
- Organisationsformen der Operations: Make to Order, Engineer to Order, Assemble to Order, Make to Stock
- Diese Organisationsformen als Kontrastfälle: Welche Steuerungslogik folgt aus welcher Auftragsstruktur — und welche Kennzahlen sind dann konsequent?
- Zusammenhang von Auftragsstruktur, Steuerungslogik und logistischer Ausführung
Ziel: Die Studierenden verstehen, dass logistische Strategien nur wirksam werden, wenn sie organisatorisch verankert und über geeignete Kennzahlen beobachtbar gemacht werden. Sie können Organisationsformen nicht als Listeneinträge, sondern als Kontrastfälle mit unterschiedlichen Steuerungs- und Messkonsequenzen lesen.
Einheit 11: Integration über die gesamte Supply Chain
Inhalte:
- Nachschublogik über mehrere Stufen: Pickposition, Nachschubbereich, Außenlager, Beschaffung
- Abstimmung von Bedarf und prognostiziertem Bestand
- Lange Planungshorizonte, auch über Monate oder Jahre
- Echtzeitprozesse auf der operativen Ebene und langfristige Geschäftsprozesse auf der Planungsebene
- Hierarchie von Kundenauftrag, Produktionsauftrag, Fertigungsauftrag und Kommissionierauftrag
- Fortlaufende Rückkopplung zwischen physischem Prozess und Buchhaltung
- Gesamtzusammenhang der Vorlesung
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Version: 1.4 April 2025, Kontakt: E-Mail Martin Wölker
Pirmasens, Germany, 2018-,
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